Auf dünnem Eis

19.10.2020

Auf dünnem Eis

Wenn es kein Eis wäre, würde den Crocodiles bzw. ihrer Eishockey-Oberliga das Wasser bis zum Hals stehen.

Die weitgehenden Corona-Folgen für Sportmannschaften, die gefühlt eher so im Nicht-Fisch-nicht-Fleisch-Bereich unterwegs sind, nämlich zwischen Amateur und Spitzen-Profi, sind final natürlich gar nicht genau einzuschätzen – wie denn auch. Wenn der Saisonstart immer wieder verschoben wird. Klar ist, ohne finanziellen Support wird es viele Vereine geben, die diese Zeit finanziell nicht überbrücken können. 

Dabei hätte alles so schön sein können. Die Saison ließ sich nämlich vor Liga-Abbruch mehr als cool an, und man hätte am liebsten die zu dem Zeitpunkt sportliche Performance inkl. Tabellenstand, Achtung, jetzt kommt der Wortklauber: einfrieren müssen. Der 3. Tabellenplatz war herrlich, die Playoffs winkten, sogar mit Heimrecht zu Beginn. Hätte, hätte. Nun wieder alles auf Null. Trainingsstart ist immer vier Wochen vor Saisonstart, ab mehr oder weniger dem Zeitpunkt verdienen die Spieler auch erst Geld. „Da ist ein Aufschub auch gleich ein Schlag ins Konto-r“, sagt Tobi Bruns, Presseverantwortlicher und Stürmer bei den Crocodiles. Bis dahin buchen die Hamburger Spieler, sie waren seit März nicht mehr auf dem Eis, vor, privat Eiszeiten in der Volksbank-Arena, machen Crossfit oder spielen Floorball.

„Die wollen spielen“, erklärt Sven Gösch, in Kurzarbeit natürlich. Er könnte ein langes Lied der Höhen und Tiefen der Crocodiles singen, was er aber nicht macht. „Wir haben uns im Grunde die letzten Jahre, Insolvenz hin oder her, sukzessive nach oben gearbeitet, Trainer Plachta macht da eine sehr gute Arbeit.“ „Unsere Brust wird immer breiter“, führt er weiter aus, wir schauen auf Tobis stolzgeschwellten Oberkörper, „weswegen wir auch in der Aufstellung für die neue Saison gar nicht viel verändert haben. Abgesehen davon hätten die finanziellen Möglichkeiten, die Unsicherheit, vielmehr die Vernunft, anderes auch gar nicht zugelassen.“ Deswegen kommt auch kein schillernder US-Spieler, da bei ihnen neben den Gehältern ja auch immer Flüge etc. zu Buche schlagen, abgesehen davon, dass ein Spieler, der nicht einreisen darf, auch nicht weiterhilft.

„Wir haben uns bewusst nur minimal verändert.“ Das ist konsequent und sicher absolut sinnig. Wir überlegen zumindest mal, wo im Keller unsere Schlittschuhe stehen, bis es denn dann losgeht. 

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Titelbild: Stefan Röhrig

Foto: Holger Beck

Foto: Holger Beck