Blindenfußball: Sowieso Meister

14.12.2021

Blindenfußball: Sowieso Meister

Wir finden ja, wer blind Fußball spielt, ist sowieso ein Meister: des Mutes, der Motivation, des Selbstvertrauens, des Gehörs ...

Und trotzdem freuen wir uns wie Bolle, dass die Blindenfußballer vom FC St. Pauli dann nun auch faktisch Deutscher Meister sind. Zum zweiten Mal, nach 2017. Natürlich ist der Stolz und die Freude bei den 2 Trainer:innen, 8 Feldspieler:innen, 4 Rufer:innen, 3 Torhüter:innen und 4 Assistent:innen rieisig. Die Krux war in den letzten Jahren das Spielsystem. Seit 2018 waren die Freunde vom Millerntor nämlich immer Tabellenführer, gefühlt Meister, und verloren dann immer, und dann auch noch unglücklich, im eigentlich überflüssigen Liga-Endspiel. Das haben sie in diesem Jahr dann zwar sogar gegen Stuttgart gewonnen, aber zukünftig entfällt der K.O.-Modus beim Abschlussspiel. Belohnt wird zukünftig also Kontinuität, gut für Hamburg, denn da sind die Paulianer groß, haben sogar eine zweiteilige Abteilung aufgebaut: das Bundesliga-Team sowie eine breitensportlich orientierte, auch inklusive, Freizeitgruppe. 

 

Gespielt wird in der Liga (paralympisch darf die Sehfähigkeit nicht mehr als 1 % betragen, das ist mal gar nix) auch mit einer komplett verdunkelten Brille. Aber die Sehfähigkeit ist etwas breiter gefächert, es darf auch eine Person mitspielen, die Sehklasse B4 ist (15 % Sehfähigkeit). Bitte bedenken, die einen könnten im Training ein bisschen was sehen, die anderen nicht. Sehr komplex. Das Regelwerk ist an Futsal angelehnt, aber es gibt Seitenbanden am 20 x 40 m-Spielfeld, das Tor ist 3,66 m breit. 4 Feldspieler:innen sind jeweils auf dem Platz, ein:e Torhüter:in, der:die darf sehen, aber quasi nur auf der Torlinie mitspielen, und dann gibt es Rufer:innen, an der Seite und hinter dem Tor der gegnerischen Mannschaft. Ein:e Spieler:in der eigenen Mannschaft kann sich mit „hier“ anbieten, bekommt dann bestmöglich den Ball zugespielt. Im internationalen Regelwerk verankert ist der Schutzruf „Voy“ (spanisch für: „Achtung, ich gehe!“), in Deutschland wird zusätzlich ein Kopfschutz getragen. 

Trainiert wird auf Pauli zweimal die Woche, mit im Team sind u. a. auch Nationalspieler Rasmus Narjes und Jonathan Tönsing. 8 Teams sind in der deutschen Blindenfußball-Bundesliga (DBFL), die von 3 Verbänden gemeinsam organisiert wird. Die Auftakt- und Finalspieltage fanden zuletzt in Innenstadtlagen statt, Motto: „Mit Fußball in die Mitte der Gesellschaft“, autsch, finden wir, das entspricht nicht wirklich unserer Inklusionsidee. Normalität ist angesagt. 

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Fotos: Stefan Groenveld