Boxen: Eigentlich talentfrei!

01.10.2020

Boxen: Eigentlich talentfrei!

Ammar ist ein Typ, wie so viele Sportler Typen sind. Vor gut 10 Jahren aus dem Irak geflüchtet, ist er seit kurzem in der Sportfördergruppe der Bundeswehr: „Ich bin so stolz!“

Darauf kann jeder Sportler stolz sein, Ammar Abduljabbar irgendwie noch ein bisschen mehr. Vor gut 10 Jahren flüchtete die Familie nach Deutschland, um Ammars herzkrankem Bruder eine bestmögliche Versorgung zu ermöglichen. Kaum in Hamburg, zog es Ammar zu den Boxern vom TH Eilbeck, eigentlich nur, weil er seinem Vater eine Freude machen wollte. Der hätte nämlich immer gern geboxt. Und wirklich, sein erster Trainer hat ihn ausgelacht. „Ich habe tatsächlich wohl kein richtiges Talent“, erklärt Ammar, „aber ich bin sehr fleißig, liebe Herausforderungen und der liebe Gott hat mir ganz viel Willen gegeben.“ „Ich trainiere 24 Stunden am Tag, ernähre mich sehr gesund, schlafe viel, tue jeden Tag alles dafür, richtig gut zu sein, und man kann immer noch besser“, stellt er schwer überzeugt fest, zumal er inzwischen offensichtlich längst für sich kämpft.

„Als ich aus dem Irak hier ankam, war ich ein Nichts“, erklärt er, aber er hat selbst erfahren: „Es ist gar nichts unmöglich.“ Inzwischen war er nämlich sogar schon deutscher Meister. Denn: Seit Ende 2018 hat Ammar einen deutschen Pass, ist somit startberechtigt für den Deutschen Boxsport-Verband. Nun boxt Ammar nicht nur erfolgreich, sondern auch für Deutschland, startet seit Anfang 2019 in der Nationalmannschaft, und es kann sogar für Tokio reichen. Dafür wollte er sich nämlich im April gerade in London in der Europagruppe qualifizieren, bis der Event einen Tag vor Beginn dann abgesagt wurde … 
„Ich boxe für Deutschland“, sagt er extrem überzeugt, „und ich werde Euch alle beschützen“, betont der Sportsoldat. „Ich tue was, bin gut integriert und bestimmt kein Gast mehr“, muss er sich für nichts entschuldigen. Er plant weiter, will bei der Bundeswehr sein Abi nachmachen und dann irgendwann studieren, aber zunächst gibt es sportlich noch einiges zu tun. „Ich boxe nicht schön“, beschreibt er seinen Stil, der wohl keiner ist. Das wiederum zahlt sich für ihn allerdings auch als eine Stärke aus: „Niemand kann sich auf mich einstellen, ich boxe unorthodox und deswegen eben sehr überraschend“, lacht er. Vielleicht kann er uns ja auch 2021 als Hamburger Boxer in Tokio überraschen. 
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Fotos: privat / PR