Boxen: Selbstbewusstsein ist Programm

18.06.2020

Boxen: Selbstbewusstsein ist Programm

Boxende Frauen und Selbstbewusstsein: ein Wortpaar, das zusammengehört. Offensichtlich wird das, wenn man Dilar Kisikyol kennenlernt.

Dilar ist, 28, aus Leverkusen, noch gar nicht so lange in Hamburg, studierte Sozial­pädagogin – und neuerdings tatsächlich Profiboxerin bei Universum (ja, dem Boxstall). Die einzige Frau, by the way. Frauenboxen in Hamburg ist jetzt nicht wirklich sensationell, Dilars Geschichte aber dennoch ungewöhnlich. Sie ist ein Drilling, und sie ist die erste Profiboxerin mit kurdischen Wurzeln. Und das war witzigerweise nicht mal wirklich geplant. Eigentlich hatte sie sich „nur“ als Übungsleiterin bei dem Universum angeschlossenen Boxverein „Kampf Deines Lebens“ beworben. Aber erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt. Boxerin ist Dilar natürlich aus Leidenschaft, seit 12 Jahren. Gepaart mit den Erfahrungen aus ihrem Studium, liebt sie es aber darüber hinaus, ihren Sport zu vermitteln: Schlagtechniken, Physis und dergleichen. Vielmehr sieht sie aber die weichen Faktoren ihres Sports, die für die Entwicklung von Kids aus ihrer Sicht bahnbrechend wichtig sind: Disziplin, Respekt, Fairness. Für sie die Schule des Lebens, weswegen das mit „Kampf Deines Lebens“ so schön passt. „Die Kids gehen absolut respektvoll mit einander um, egal wo sie herkommen. Herkunft, Status, spielt alles keine Rolle, und wir haben zig Nationen bei uns versammelt“, schildert sie. „Sie lernen, dass das Leben unbedingt auch Regeln kennt, gleichzeitig erfahren sie, dass man in diesem System viel erreichen kann, wenn man fleißig ist und stramm trainiert, und das stärkt wiederum das Selbstvertrauen.“ Dilar ist verantwortlich für alle Kids-Kurse bei „Kampf Deines Lebens", on top leitet sie auch die Kurse für Frauen, bietet Fitness-Boxen für alle sowie einen Kurs für Männer. 

Foto: Universum Box Promotion, D. Gedaschke, G. Martensen

Und dann ist Dilar eben noch als Profi unterwegs, trainiert selber mindestens 10-mal die Woche. Bislang war sie als Amateurin für den TuS Rheindorf in NRW im Ring, wurde u. a. 3-mal deutsche Hochschulmeisterin für die Uni Düsseldorf. Und nun will sie bis Ende 2022 gleich Weltmeisterin (Gewichtsklasse bis 63,5 kg) in einem der drei großen Verbände werden, das ist ja bei den Boxern immer ein wenig kompliziert. Sie hat sich schwer in Hamburg verliebt, ist auffällig unbekümmert und sehr stolz auf die Rückendeckung durch ihre Familie, die sie inzwischen erfährt. Auch wenn sich ihre Eltern durchaus einen anderen Sport für sie gewünscht hätten, „ich habe, bis ich 16 war, total viel ausprobiert“, sagt Dilar, kommen sie jetzt zu Kämpfen ihrer Tochter nach Hamburg und unterstützen sie, wie sich das gehört. Die Initialzündung war wohl damals, dass ihre Klavierlehrerin Dilar wegen kompletten Begabungs-Mangels nach Hause geschickt hat, schildert sie lachend: „Das war ein Schock, ein Zeichen für mich, dass ich etwas komplett anderes tun sollte.“ Das ist ihr ja zum Glück geglückt. 

Weiterlesen bei sporting hamburg.

Titelbild: Universum Box Promotion, D. Gedaschke, G. Martensen

Foto: Universum Box Promotion, D. Gedaschke, G. Martensen