Der Bilderbuch-Surfer

22.11.2021

Der Bilderbuch-Surfer

Wenn man Euch bitten würde, beschreibt mal einen echten Bilderbuch-Surfer – Ihr würdet Florian Gruber beschreiben. Klischees sind ja so oder so, aber in diesem Fall ist das hier ’ne Punktlandung.

Blond, lange Haare, Sechseinhalbtagebart, Kappe, immerbraun. Wir schnacken mit Flo auf Sardinien, ok, wir hier in HH, auch schön, er morgens Strandbar, tagsüber 25–30 Grad, schlimme Sache. Flo ist Deutschlands bester Kitefoiler, startet für den NRV und hat Paris im Blick (gekitet wird allerdings in der Nähe von Marseille). Gerade ist er bei den World Series, eine Wettkampf-Tour der Profi-Kiter, in Cagliari (IT). Die World Series ist sozusagen die offene Klasse beim Kitefoilen. Um bei und für Olympia, denn die Disziplin ist ab Paris 2024 olympisch, ein Wettrüsten zu verhindern, ist das olympische Format etwas gebremster, es nennt sich Formula Kite.

„In den World Series wird auf höchstem Niveau technischerseits noch vieles ausprobiert, auf den Weltmeisterschaften von Seiten der Verbände, und für die Olympia-Quali geht es dann genormter zu.“ Wir sprechen vom Drachen, dem Kite, dem Brett, das je nach Körpergröße und Gewicht angepasst werden kann, und vom Foil, der Kufe, die das Ganze noch schneller und spektakulärer macht. Mit bis zu 80 Sachen brettern die Jungs, auch die Mädchen, über die Kurse. 100 wahnsinnige Starter sind es auf Sardinien bei den Männern. „Für mich ist das hier eine optimale Vorbereitung für die WM“, die findet nämlich eine gute Woche nach unserem Gespräch auch auf Sardinien statt, ein paar Buchten und Wellen weiter in Torre Grande. Schon im nächsten Jahr geht es in seiner Klasse um die Nationentickets für Paris, die Segler:innen / Kiter:innen werden im vorolympischen Jahr anhand der EM- und WM-Ergebnisse nominiert. „Jetzt müssen sich nach Tokio, für den etwas verkürzten Turnus bis Paris, erst mal verbandsseitig die Strukturen finden“, beschreibt Florian. Nebenbei feilt er an seine Bachelorarbeit, Fern-Uni ist angesagt, aber das klappt wohl ganz gut. „Da müsste ich mal etwas Gas geben“, lacht er. „Ich wäre gern öfter vor Ort in Hamburg. Aber wir müssen hier unten trainieren, die Wettkämpfe sind viel hier unten, und bei der Ostsee nervt das Seegras, das beißt sich, und an der Nordsee muss man oft so lange zum Wasser laufen“, grinst er, das haben wir nicht gehört. So wird es noch bis Paris weitergehen, dann möchte er aber auch dem NRV was zurückgeben. Nachwuchs hochziehen, Kids ausbilden, da wäre er dann gern dabei.

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Fotos: Dominik Leitner, Alex Schwarz