Inklusion: Segel/Zeichen setzen

27.05.2022

Inklusion: Segel/Zeichen setzen

Wenn nette Menschen zusammenkommen und sportlicherseits Gutes im Schilde führen, dann ist sporting ja nicht weit wech. Aktuell initiieren wir ein Frauen-Radsportteam, haben unter anderem in den letzten Jahren Frauen-Segelcrews für den Helga Cup gecastet.

Und weil wir dann ja gern noch einen draufsetzen, gehen wir in diesem Jahr mit dem BAT Sailing Team an den Start. Mit uns ebenfalls als Unterstützer dabei: die Quirin-Privatbank (danke, Heiko). Fünf Frauen, die aktuell gerade als Team zueinander finden und Hürden überwinden – die eigentlich gar keine sind, wenn man nur macht. Das BAT Sailing Team ist ein inklusives Segelteam, das von den Segler:innen des FC St. Pauli und dem NRV initiiert wurde und in diesem Jahr als erstes inklusives Boot beim Helga Cup antreten will, der wohl größten Frauen-Regatta der Welt, und den anderen Girls mal zeigen, was es heißt, zu kommunizieren. Denn da kann unserer Crew mal so schnell niemand etwas vormachen, sie sind nämlich sogar ein Inklusions-Mix, denn Karen ist taub und Maria ist sehbehindert. Und nun lehnt Euch mal zurück und überlegt kurz, wie da Kommunikation geht. Wir schnacken dazu mit den fünf Unerschütterlichen: Christiane, sie ist ein wenig Head-of-Everything, ist erst spät zum Segeln gekommen, Silke im Grunde auch, beide sind – was ein Wunder – schwer begeisterte Seglerinnen, das Regattafieber hat sie gepackt. Jessika ist die Skipperin, sie segelt, seit sie laufen kann, wahrscheinlich schon davor … Karen wiederum ist über eine Segler:innen-Börse für Gehörlose zum Segeln gekommen. „Das Beste, was mir passieren konnte“, sagt sie, man muss genau hinhören, gewöhnt sich schnell dran. Sie macht das super, wir brauchen etwas länger zum Empfangen. Und weil das manchmal – erst recht auf dem Boot – nicht so ganz einfach ist, weil Wind und Wasser sind ja nicht zwingend lautlos, hat die Crew ihre eigene Sprache entwickelt. Hand an Hals: Halse, ok, da kann man drauf kommen; ein Fingerzeig auf die Nase, der Baum auf dem Vorschiff, die Nase des Bootes. Karen ist ehrgeizig, sie lacht viel und strahlt noch viel mehr. Es hat sie gepackt, das Helga Cup-Fieber. Die Kommunikation ansonsten natürlich ganz normaaaal, per Textnachricht, auch für die Trainingsplanung, Abstimmung – also easy. Wir lernen das Allerwichtigste, „wow“ und „cool“ auf Gebärdisch. Aber all die für „Außenstehende“ nicht einfach zu dekodierenden Gebärden sind sowieso wenig hilfreich, weil/wenn die sehbehinderte Maria mitsegelt. Also wird on top auf das Boot geklopft, und bitte nur beschränkt auf das Nötigste, denn Maria braucht zum Segeln eigentlich Ruhe, sie lauscht dem Wind, Christiane wirft ein: „Auch kein Problem, wenn´s drauf ankommt, hat sowieso Ruhe auf dem Schiff zu sein.“ 

Die Mädels trotzen dem Schneeregen, dem krassen Wind, sind tatsächlich teilweise das einzige Boot auf der Alster, Wetter: scheißegal. „Wir müssen eben einfach ein bisschen mehr trainieren, bis die Kommandos sitzen“, wer sagt, gebärdet, klopft was zu wem, welche Handlung folgt, eine komplexe Sache, aber ein unglaubliche Erfahrung. Für ALLE. „Das Ergebnis ist eine deutlich bessere Verbindung untereinander“, erklärt Silke und ihre Augen leuchten dankbar, „wir gehen vielmehr auf einander ein und haben immer total viel Spaß, auch daran, dass wir immer besser werden.“ Sie sagt: „Wir Menschen müssen sowieso besser aufeinander achten, besser miteinander umgehen“, wie recht sie hat. Weiterlesen bei sporting hamburg.

Fotos: Einläufer: privat; Andere Bilder: A. Düve