Ju-Jutsu: Jette, 14, Kampfsau

17.01.2023

Ju-Jutsu: Jette, 14, Kampfsau

...sagt sie von sich – und von Empowerment sprechen wir dann hier mal nicht. Denn Jette Kuhn, natürlich Schülerin, ist schon empowered, sie ist nämlich gerade Ju-Jutsu- Europameisterin U16 in ihrer Gewichtsklasse geworden.

Und wenn sie durch Finkenwerder geht, sie kommt nämlich von der Insel, müssten alle eigentlich einen Bogen um sie machen. Muss man aber nicht, denn Jette ist ´ne nette. Super harmlos sieht auch Emilio Vigo Garcia aus, er ist auch 14 und gerade Vize-Weltmeister (U16) geworden. Beide grinsen, wenn sie berichten, dass sie gerade im Schlagen und Treten besonders gut sind, und dann im Würgen. Ju-Jutsu vereint Aikido, Judo und Karate, auch Elemente vom Thai- und Kickboxen mit philippinischen und chinesischen Einflüssen sind enthalten. Lauter Kampfkünste, die aus ihren langen Historien im Grunde zur Selbstverteidigung dienten. Peace. Die besten Griffe, Tritte, Schläge, Würge-, Halte- und Hebetechniken wurden für Ju-Jutsu zugeschnitten. Was alles doch ein wenig aggro klingt, ist eben auch eine Kunst und geht maximal fair vonstatten. Wer nicht mehr will, klopft auf den Boden und der Kampf ist sofort beendet. „Ich gehe nach jedem Kampf zu meiner Gegnerin und frage sie, ob es ihr gut geht“, sagt Jette, die auf der Matte – laut Trainer zumindest – nicht so brav ist, wie sie aussieht, die Bezeichnung „Kampfsau“ wäre uns nie in den Sinn gekommen, die kam von ihr selbst. 

 

World Championship 2022 in Abu Dhabi

In der Regel betreiben private Sportschulen, Dojos diese Kampfsportarten, oder in Hamburg eben der TuS Finkenwerder, ein ganz normaler Stadtteilverein, der stolz wie Bolle auf seine Kampfkunstsparte ist. Über 100 Mitglieder zählt die Truppe und ihr König, seit mehr als 25 Jahren, ist Claus Bergmann-Behm (53). Er rockt mit unermüdlichem Einsatz die ganze Sparte, führt sie zu großen Erfolgen; diverse Sportler:innen von ihm sind in den Bundeskadern und werden dann mal eben auf Kreta Europameisterin (Jette) oder in Abu Dhabi Vizeweltmeister (Emilio). Beide waren zwar vom Deutschen Fachverband gemeldet worden, das ist natürlich Voraussetzung, waren aber aufgrund ihrer Vorleistungen „nur“ Zweitstarter, mussten ihre Reise etc. finanziell selbst stemmen, bzw. der Verein, ihre Unterstützer. Umso größer offensichtlich der Ehrgeiz, dem Verband zu zeigen, wie man sich auf der Elbinsel Finkenwerder denn so verteidigt, wenn feindliche Piratenschiffe aus Blankenese anlanden. Beindruckend die Arbeit des TuS Finkenwerder dabei, der, so bestätigt Claus, tatsächlich aufgrund seiner geografischen Lage eine besondere Aufgabe hat, die Jugend und Menschen zu bespaßen, besser: zu bewegen. „Im Grunde sind die Kids hier ein wenig gefangen“, sagt er lachend. Was dank HVV natürlich nicht wirklich so ist, aber ein bisschen schon, und Selbstverteidigung, gerade für Frauen, ist auch eines seiner Motive. Und deswegen zimmert Claus in seiner Kaderschmiede, aktuell unter anderem unterstützt vom ehemaligen Spitzenkämpfer und Sportwart Sergej Balbuzki (28), immer wieder Spitzentalente. Und da Ju-Jutsu nicht olympisch ist, träumen auf Finkenwerder die sehr bescheidenen Ju-Jutsu Talente von den World Games, wenn sie groß sind ...

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Fotos: Elsa Braun