Muss sein: (Leistungs-)Sport nach Corona

07.07.2022

Muss sein: (Leistungs-)Sport nach Corona

Nichts Genaues weiß man nicht, auch bei der Frage, wie viel Sport geht und ab wann nach Corona. Wir haben mit dem UKE geschnackt, mit Frau Dr. Catharina Bidlingmeier, sie ist Fachärztin für Innere Medizin/Kardiologie sowie für Sport-Kardiologie.

Sie weiß Bescheid, und sie hat einen Sack voll Erfahrungen aus den letzten zwei Jahren. Eines vorab: Sie hat auch schon zwei, drei Sportler:innen komplett aus dem Verkehr gezogen. Und zwar, weil mit zu früher Belastung nach Covid nicht zu spaßen ist. Zufälligerweise wurden vor Kurzem die vor gut zwei Jahren deutschlandweit formulierten Empfehlungen für Leistungssportler:innen überarbeitet und veröffentlicht. Ihr seid also Glückspilze :-). Ohne die klassischen Freizeit- und Breitensportler:innen auszuschließen, denn orientieren können sich hier alle, ist bei Leistungssportler:innen mehr Gefahr im Verzug. Overall, das ist natürlich gesetzt: Jede:r einzelne Sportler:in, wir ALLE, hören bestenfalls mal schön auf unseren Körper. Wenn das Knie streikt, laufen wir ja auch nicht weiter (hoffentlich). Also, körperliches, aber auch mentales Wohlbefinden ist die erste Voraussetzung. 

Wir sprechen über Verläufe, die Symptome sind ja im Grunde allgemein bekannt. „Gibt es einen positiven Test, aber keine Symptome“, sagt sie, „darf man nach einer dreitägigen Trainingspause vorsichtig(!!) wieder mit dem Training anfangen.“ Gymnastik, ein bisschen Stabi geht sowieso immer. Eine ärztliche Diagnostik ist nicht nötig, heißt, der Arztbesuch für das „Go“ ist unnötig. Heuschnupfen und eine laufende Nase sind nicht zwingend Corona-Symptome. Aber Achtung: Auch OHNE Symptome sollte bei positivem Test ein Wettkampf, sprich dann eine Maximalbelastung, erst frühestens nach 10 Tagen erfolgen. Rumms. Bei milden Verläufen ist Training bei Symptomen (Krankheitsgefühl, erhöhte Temperatur, leichter Husten, Halsschmerzen, Unwohlsein) absolut nicht angebracht, wieder symptomfrei, folgt on top eine dreitägige komplette Pause. „Dann wäre auch hier aber kein Arztbesuch erforderlich“, sagt Frau Doktor. Eigenverantwortlich könnt Ihr vorsichtig mit dem Training beginnen, lieber Technik, keine Belastungen, Umfänge individuell steigern. Wettkämpfe, sorry, siehe oben: Leider für 10 Tage nein. Gibt es schon deutliche Symptome (Fieber über 38,5 Grad, heftiges Krankheitsgefühl, Atemnot, starker Husten länger als drei Tage, Übelkeit, Durchfall), man sagt moderat, Euch geht es schlichtweg ziemlich bescheiden, kommt Ihr wahrscheinlich ohnehin nicht auf die Idee, zu trainieren. Das ist auch wichtig!!!! Pause. Komplett. Ruhe im Karton. Seid Ihr wieder symptomfrei, immer noch drei Tage keine Chance. Aufnahme des Trainings erst nach einem Arztbesuch, der entscheidet entsprechend Eures Verlaufs, was gecheckt werden muss, EKG, Herzecho, Belastungs-EKG, Lungenfunktionstest, Blutuntersuchungen und dergleichen. Wenn alles roger: langsam steigern, Wettkämpfe … same Procedure. Haut Euch Corona richtig um, habt Ihr einen schweren Verlauf: fiese Atemnot, schwere Bronchitis, hohes Fieber, echte Bettlägerigkeit (im Grunde reden wir nahezu von krankenhausreif), müssen Leistungssportler:innen zwingend und sehr speziell durchgecheckt werden. „Das kann durchaus auch bis zu Lungen-CTs oder Herz-MRTs gehen, da gibt es dann ganz individuelle Parameter“, und blödstenfalls Auffälligkeiten, die man zunächst teilweise gar nicht erahnt, und dann sagt eine Blutuntersuchung, sagen die Entzündungswerte doch, dass der Herzmuskel entzündet ist … Und auch wenn drei Monate raus, mit vorsichtigem Trainingsaufbau danach, wahrscheinlich eine ganze Wettkampfsaison beendet oder unmöglich macht: Herzrhythmusstörungen dürfen nie das Ergebnis sein!!! Wer mehr dazu lesen will, schnappt sich die neuste Ausgabe von sporting hamburg. 

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