Schach: 7 bis 8 Stunden täglich

24.01.2023

Schach: 7 bis 8 Stunden täglich

Wir treffen Frederik Svane; ein Name wie aus Wickie, zumal sein Bruder auch noch Rasmus heißt, irgendwie zumindest aus Skandinavien.

Und tatsächlich: „Meine ganze Familie außer mein Zwilling Magnus und ich sind in Dänemark geboren worden“, erzählt Frederik, die Familie lebt in Lübeck. Trotzdem ist Frederik (18) Hamburger SportTalent des Jahres, weil er nämlich für den Hamburger Schachklub (HSK) an das Brett geht, und weil er Schachgroßmeister ist. Schon mit zwei, drei Jahren hat Frederik Feuer gefangen, Bruder Rasmus hatte damals ein Mini-Schachspiel in seiner Cornflakes-Packung gefunden, seine Leidenschaft gleich mit, und Klein-Frederik dann eben auch. Noch heute spielen beide zusammen im Hamburger Schachklub in der Bundesliga, aber am Brett, in den Bestenlisten, in der ganz großen Schachwelt, macht jeder seins. „Wir ziehen unser Ding getrennt durch“, sagt Frederik sachlich. „Die Mannschaft beim HSK ist sehr heterogen, aber alle Spieler haben einen echten Bezug zu Hamburg, wir haben da keine eingekauften Spitzenspieler aus dem Ausland, wie in anderen Teams.“ Noch ist sein Bruder in der Weltrangliste ein bisschen vor, „aber nicht mehr immer besser“, grinst Frederik. Sieben bis acht Stunden trainiert er täglich, am PC, denn die Schachwelt hat sich digitalerweise extrem verändert. „Ich habe aktuell keine persönlichen Trainer, habe aber viele Trainingssessions mit Trainern und Spielern auf der ganzen Welt, dann per Skype.“ Frederik erklärt: „Trainer müssen nicht besser sein, wissen aber oft mehr, haben mehr Erfahrungen.“ Matches gegen andere Spieler helfen sehr, und der Austausch danach, „die meisten Schachspieler sind da sehr objektiv“, sagt er, „Computer sind sowieso viel besser als alle Menschen.“ Und so hat Frederik über eine Hamburger Schachsoftware Zugriff auf alle jemals im Netz gespielten Partien sowie auf (fast) alle Partien, die am Brett gespielt worden sind, und kann sich anschauen, was er bei Zug X hätte anders, besser machen können, kann sich einstellen auf die Spielweisen der nächsten Gegner.

Frederik beim täglichen Training am Computer Foto: Minna Svane

Spannend die Frage, wie vermieden wird, dass geschummelt wird. Die Veranstalter, die Verbände arbeiten mit Kameras, auch am Bildschirm, gegen „Online-Cheating“; bei Topturnieren in Präsenz werden oft Metalldetektoren und andere Technologien eingesetzt. Spannend ist diese Welt auf alle Fälle, sehr entspannt ist Frederik. Und er freut sich sehr über die Auszeichnung zum SportTalent des Jahres hier in Hamburg, ein Award des Olympiastützpunktes, der Eliteschule des Sports und des Hamburger Sportbunds, weil sie auch eine tolle Anerkennung für seinen Sport ist. Zu Recht.

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Foto: Deutscher Schachbund / Frank Hoppe

 

Sporttalent 2022 Foto: Witters /HSB