sporting-Katharina: Multi-Timo

06.10.2020

sporting-Katharina: Multi-Timo

Unser neuer Fachmann in Sachen Inklusionssport ist Timo. Er berät uns, findet mal Vorschläge doof, aber auch oft toll. So ein Glück, denn Timo ist immer ehrlich, und wenn ihm was nicht gefällt, haut er das raus.

Wird Zeit, dass wir ihn mal vorstellen. Mit dabei: seine Power-Mutter Cornelia und sporting-Katharina, von der Evangelischen Stiftung Alsterdorf. Sie ist Timos Chefin. Timo ist dort nämlich Sport-Assistent, mag die Praxis und hilft, wenn andere Sport treiben. In der Sporthalle beim SV Eidelstedt unterstützt er z. B. Trainerin Tanja. „Wir spielen Schaf-und-Wolf und Wasser-und-Sturm oder ich frage, wozu alle Lust haben, und das machen wir dann“, grinst er. Selbst hat er dort früher bei so Kursen wie „Ringen, Rangeln, Raufen“ viel erlebt und gelernt. „Das Format war sehr wichtig", erklärt Cornelia, „es vermittelt Körperkontakt, aber auch das Gewinnen und Verlieren, oder eben auch mal oben oder unten zu sein.“ 

Der 2. Kurs, bei dem Timo als halber Chef dabei ist, heißt „Freizeitsport für junge Erwachsene“, hier geht es um Sport und Inklusion, denn hier wird mit und ohne Handicap Sport getrieben. So soll es sein, und Timo mittendrin: Das hört sich richtig gut an. Bei der Evangelischen Stiftung Alsterdorf arbeitet er 15 Stunden die Woche. Darüber hinaus büffelt er im Rahmen eines Uni-Projektes für seinen Schulabschluss, der nicht der Regelfall ist, sei angemerkt – für Timo aber wichtig, denn er will zur Polizei. Basta! Dort hat er nämlich mal ein Praktikum gemacht. Arbeitsplätze zu finden ist ein schwieriges Unterfangen für alle Beteiligten. „Nach wie vor ist es nicht einfach, Arbeitgeber zu finden, obwohl die Stellen vom Arbeitsamt gefördert werden“, erklärt Katharina. Und die Sache läuft, so weit, denn Timo ist positiv durch und durch, seine Motivation super-super, bedenkt man dabei, wie voll seine Woche ist: drei-, viermal die Woche Job, plus Schule, Ernährungsberatung via Zoom. Dann Logopädie, Englisch-Kurse auf Babbel, Lernprojekte an der Uni … immer mit den Öffis, dem Fahrdienst Oma oder eben mit dem Fahrrad, denn damit ist er fit unterwegs, auch kein Standard. Mutter Cornelia hilft schon immer sehr bei der Koordination, vor allen Dingen bei den unterschiedlichsten Verantwortlichen und Institutionen/Anbietern fungiert sie schon seit jeher als seine größte Stütze – natürlich und mit Mega-Stolz. „Als Eltern muss man ein detektivisches Gespür entwickeln, was wie wo alles geht, man muss auch kämpfen … Das Wichtigste für uns aber war: Timo wollte immer machen!“ Cooler Typ.

Und er liebt Sport. Er weiß gar nicht, wo er anfangen soll: „Als Kind habe ich Fußball gespielt, bei Altona 93, Concordia und dem SV Eidelstedt, ohne Ablösesumme“, er lacht. Dann zog es ihn, auf Empfehlung eines Trainers, zum Handball: Er spielt beim SV Eidelstedt sogar in einer inklusiven Liga. Mit seinem guten Freund Paul spielt er dann noch Hockey bei den Hockies, eine Kooperation des Clubs an der Alster zusammen mit der Lebenshilfe e. V. Er geht mit seiner Familie joggen, sie machen gemeinsame Fahrradtouren, er geht zu McFit, Eisen biegen, „und dann habe ich Rugby gespielt, Stand Up Paddling ist cool, ich fahre Ski-Langlauf, Alpin habe ich auch probiert – schwarze Piste, ist doch klar.“ Mut ist nicht so sein Problem. Und dann das Wichtigste, sein Leistungssport: „Ich spiele Tennis“, in diesem Fall beim ETV, da trainiert er hart, in Gruppen- und Einzeltrainings. Er spielt Unified-Turniere mit seiner Schwester (Unified meint: gemeinsamer Sport für Menschen mit und ohne Handicap). Sein Ziel: Es über eine Quali bei den Nationalen Spielen der Special Olympics bis zu den Weltspielen nach Berlin 2023 zu schaffen. „Das kriege ich hin“, strahlt er. Und wir können uns alle mal ´ne Scheibe abschneiden. 

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Fotos: privat